Gefahrstoffe im Griff

Gefährdungsbeurteilung ist ein Muss



Thorsten Reinecke / Dr. Uwe Musanke
Gebäudereiniger arbeiten mit einer Vielzahl von Reinigungsmitteln. Ohne diese Produkte sind die vielfältigen Anforderungen der Auftraggeber an Hygiene, Sauberkeit, optisches Erscheinungsbild bei gleichzeitiger Kostenminimierung nicht realisierbar. Beispiele für solche Produkte sind in allen Tätigkeitsfeldern zu finden, beispielsweise giftige Flusssäure in der Fassadenreinigung, krebserzeugendes Formaldehyd bei der Krankenhausreinigung, ätzendes Ammoniak und Phosphorsäure bei der der Grund- und Sanitärreinigung. Auch der ständige Umgang mit Wasser, die sogenannte Feuchtarbeit, ist eine große Belastung für die Haut. Für den Umgang mit Reinigungs- und Pflegemitteln gibt es eine Reihe gesetzlicher und berufsgenossenschaftlicher Vorschriften. Das Arbeitsschutzgesetz, aber auch die Gefahrstoffverordnung, verlangen von den Betrieben des Gebäudereinigerhandwerks Gefährdungsbeurteilungen. Dazu müssen die Unternehmen dokumentieren, mit welchen chemischen Stoffen sie umgehen, welche gesundheitlichen Gefährdungen von diesen Produkten ausgehen, welche Gefahrstoffexpositionen vor Ort zu erwarten sind und welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Zur Erfüllung all dieser Vorschriften bietet die BG BAU für die Betriebe des Gebäudereinigerhandwerks verschiedene Hilfen an.

Hauterkrankungen vermeiden
Viele Reinigungsmittel enthalten hautgefährdende Stoffe wie Tenside, Säuren, Laugen oder organische Lösemittel. Produkte mit stark saurer oder alkalischer Wirkung können zu akuten Reizungen oder Verätzungen der Haut führen. Aber auch der regelmäßige Kontakt mit weniger aggressiven oder stark verdünnten Reinigungsmitteln belastet die Haut und kann zu Abnutzungserscheinungen und Reizungen führen. Durch die geschädigte Haut können Fremdstoffe leichter eindringen, was die Entstehung von Allergien begünstigt. Besonders einige der in Desinfektionsreinigungsmitteln enthaltenen Desinfektionswirkstoffe wie Aldehyde oder Benzalkoniumchlorid treten häufig als Allergene in Erscheinung. Aber auch die in Reinigungsmitteln weit verbreiteten Duftstoffe und Konservierungsmittel oder bestimmte Inhaltsstoffe von Schutzhandschuhen können bei den Beschäftigten Allergien auslösen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Hauterkrankungen bei Gebäudereinigern mit weitem Abstand von über 90 Prozent an der Spitze der bestätigten Berufskrankheiten stehen. Weniger als 10 Prozent entfällt auf Infektionskrankheiten, Atemwegserkrankungen sowie Muskel-und Skeletterkrankungen. Die Zahl der beruflich verursachten Hauterkrankungen stieg in den 1990er Jahren rapide an und bewegt sich seitdem auf einem hohen Niveau. Im Zeitraum von 2007 bis 2016 waren 9612 Reinigungskräfte betroffen. Diese Zahlen machen deutlich, dass beim Umgang mit Reinigungsmitteln Maßnahmen zum Schutz der Haut konsequent angewendet werden müssen.


Sicherer Umgang mit Reinigungsmitteln
Die beste Schutzmaßnahme ist die Auswahl möglichst ungefährlicher Reinigungsmittel. So ist beispielsweise für einen als „ätzend“ gekennzeichneten Sanitärreiniger zu prüfen, ob dafür ein kennzeichnungsfreies Produkt eingesetzt werden kann. Diese
Ersatzstoffprüfung sollte der Unternehmer in Abstimmung mit dem Auftraggeber vornehmen. Ist der Umgang mit Gefahrstoffen jedoch unvermeidlich, hat es oberste Priorität, durch technische Maßnahmen wie Dosieranlagen oder Einsatz von Reinigungsautomaten die Gefährdung zu reduzieren.

Dosieranlagen verringern das Risiko
Mit den Dosieranlagen wird das Produkt verwendungsfertig verdünnt. Die Dosierung wird dabei üblicherweise von den Lieferanten entsprechend der Reinigungsanforderungen, also Verschmutzungsart, -grad sowie der Oberflächen voreingestellt. Das verringert Dosierfehler. Eine weitere technische Möglichkeit zur Reduzierung der Gefahren kann aus vorgetränkten Mopps oder Tüchern bestehen. Bei diesem System wird eine vordosierte Menge in spezielle Boxen gefüllt, in denen sich die Reinigungstextilien befinden. Hierdurch wird vermieden, dass die Mitarbeiter ständig in die flüssigkeitsgefüllten Eimer greifen müssen. Durch technische und organisatorische Maßnahmen können die Gefährdungen durch Reinigungsmittel verringert, jedoch nur selten komplett beseitigt werden. Gefährdungen treten in erster Linie an den Händen auf. Daher bieten Schutzhand-
schuhe den wirksamsten Schutz vor hautschädigenden Stoffen. Sie müssen nicht nur beim Ansetzen der Flotte, sondern in den meisten Fällen während des gesamten Reinigungsvorganges getragen werden. Aber auch beim Tragen von Handschuhen ist zu beachten, dass die Tragedauer auf ein Mindestmaß zu beschränken ist.  Optimal ist ein Wechsel von Feucht- und Trockenarbeit. Neben Handschuhe schützen Hautmittel ebenfalls vor Hauterkrankungen. Zu empfehlen sind Hautschutzmittel vor und während  der Arbeit sowie schonende Haut-
reinigungs- und Hautpflegemittel nach der Arbeit. Die ausgewählten Hautmittel sollten in einem Hautschutzplan festgelegt werden, der an geeigneten Plätzen, z.B. an Handwaschplätzen, aushängen sollte. Bei der Auswahl von Schutzhandschuhen und der Erstellung von Hautschutzplänen sollte der Betriebsarzt einbezogen werden.

Schutzhandschuhe – richtige Auswahl und Benutzung
Schutzhandschuhe sind für den Hautschutz äußerst wichtig. Es gibt allerdings keinen Handschuh, der bei allen Reinigungsmitteln schützt. Der Handschuh muss zur Gefährdung und zur Tätigkeit passen. Manchmal sind weitere Persönliche
Schutzausrüstungen erforderlich, beispielsweise Schutzbrillen oder
-schirme und -schürzen wenn die Gefahr des Verspritzens beim Umfüllen oder
Verdünnen von Konzentraten besteht. In der Handschuhdatenbank der BG BAU erfahren Sie, welche Fabrikate geeignet sind und wie lang die empfohlene
Tragedauer ist. Dabei wird unterschieden, ob mit Konzentraten oder verdünnten Lösungen gearbeitet wird. Diese Empfehlungen basieren auf dem GISCODE für Reinigungs- und Pflegemittel. Schutzhandschuhe können allergieauslösende Stoffe enthalten. Hat ein Beschäftigter eine Allergie gegen einen Inhaltsstoff, muss ihm ein Schutzhandschuh zur Verfügung gestellt werden, der das betreffende Allergen nicht enthält. Unter „www.bgbau.de/gisbau/service/allergene“ ist eine Allergenliste abrufbar, die Allergene für die gängigsten Chemikalien-schutzhandschuhe aufführt. Sollte bekannt sein, auf welchen Inhaltsstoff die allergische Reaktion beruht, bietet diese Liste wertvolle Hinweise auf Handschuhe ohne dieses Allergen.

GISCODE für Reinigungs- und Pflegemittel
Um die Papierflut in den Betrieben einzudämmen und ein praxisnahes Vorgehen zu ermöglichen, hat die BG BAU mit allen beteiligten Kreisen eine Branchenlösung erarbeitet: Den GISCODE für Reinigungs- und Pflegemittel. Die immense Anzahl der Produkte konnte in etwa 50 Produktgruppen zusammengefasst werden. Diese Gruppen orientieren sich nicht nur an den Gefährdungen, sondern auch am Einsatzzweck der Produkte. Die Hersteller ordnen ihre Produkte den entsprechenden Gruppen zu und bringen auf dem Gebindeetikett oder im Sicherheitsdatenblatt den entsprechenden GISCODE auf. Über diese Codierung lassen sich die Reinigungsmittel eindeutig einer Produktgruppe zuordnen. So ist es möglich, mit wenigen Betriebsanweisungen über Tausende von Reinigungs- und Pflegemitteln zu informieren.Die GISBAU-Informationen zu den GISCODES informieren über Gefahren und Schutzmaßnahmen beim Einsatz der Produkte und unterstützen den Unternehmer bei der Gefährdungsbeurteilung.


Betriebsanweisungen erleichtern die Unterweisung
Für die regelmäßig durchzuführenden Unterweisungen nach der Gefahrstoffverordnung bieten die von GISBAU angebotenen Betriebsanweisungen eine wichtige Grundlage. Da die Unterweisungen so durchzuführen sind, dass deren Inhalte auch von jedem Mitarbeiter verstanden werden, sind die im Rahmen des GISCODES erarbeiteten Betriebsanweisungen in 15 Sprachen verfügbar. Die Betriebsanweisungen beziehen sich nicht nur auf Reinigungsmittelkonzentrate. Bei vielen Arbeiten in der
Gebäudereinigung werden die Reinigungsmittel in verdünnter Form eingesetzt und sind - im Vergleich mit den unverdünnten Reinigungsmitteln - weniger gesundheitsgefährlich. Mit den Anweisungen zu Unterhaltsreinigung/Glasreinigung, Grundreinigung, Sanitärgrundreinigung
sowie Desinfektionsreinigung liegen
Betriebsanweisungen auch für viele Tätigkeiten mit verdünnten Anwendungslösungen vor. Bei Fragen zu Tätigkeiten mit Reinigungsmitteln oder zum Hautschutz im Betrieb helfen die Experten der Prävention oder des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes der BG BAU (ASD der BG BAU) weiter.


Infos zu Gefahrstoffen bietet die BG BAU:

auf der
WINGIS-CD

unter
www.wingisonline.de
unter
www.GISBAU.de
unter
www.bgbau.de/gisbau/service/allergene

Anmeldung

Kontakt

Geschäftsführer Michael Zwisler
Sekretariat Sabine Firley
Sekretariat Beate Meyer

Gebäudereiniger-Innung
Südbayern und  Stadtkreis Regensburg
Dessauerstraße 7
80992 München

Telefon: 089/14303876
Telefax: 089/14303956
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