Covid-19-Pandemie

Handlungsempfehlung Reinigung und Hygiene nach Teil-Lockdown



Wolf-Rüdiger Schwarz

Die freundlichen Sommermonate mit niedrigen Covid-19-Infektionsszahlen sind vorbei und damit wohl auch die trügerische Sicherheit, in der sich viele Menschen wähnten. Virologen und Epidemiologen hatten zwar stetig und nachhaltig vor einer zweiten Infektionswelle gewarnt, doch schlechte Nachrichten werden bekanntlich häufig nicht wahrgenommen oder verdrängt – auch in diesem Fall.

Mit Herbstbeginn mussten sich die Gutgläubigen die Augen reiben, weil die Lockerungen im Sommer und auch das „laissez faire“ mancher Bevölkerungsteile zu einem sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen mit dem SARS- CoV2-Virus geführt haben. Bund und Länder sahen sich somit im Zugzwang, dieser bedrohlichen Entwicklung entgegenzusteuern und erließen ab Anfang November den so genannten Teil-Lockdown, fälschlicherweise auch „light“ genannt. Fälschlicherweise deshalb, weil diese Maßnahmen nicht nur das private Umfeld, sondern auch das wirtschaftliche Überleben vieler Branchen massiv beeinträchtigen und somit das Gegenteil von leicht sind. Bekanntlich aber sollte die Hoffnung immer erst zuletzt sterben. Derzeitige Hoffnungsschimmer sind die aktuell prognostizierten Impfstoffe und die Analyse der Fehler aus dem ersten Lockdown, die nicht wiederholt werden sollten. Richtigist, dass das Corona-Virus nur so stark sein kann wie der Mensch in seinem Verhalten schwach ist. Es wird sicher so sein, dass alle einschränkenden Maßnahmen wieder gelockert oder gänzlich aufgehoben und die Menschen wieder umfassend am öffentlichen und beru ichen Leben teilnehmen werden.

Reinigung und Hygiene
Vor der erneuten stufenweisen Wiedereröffnung von Einrichtungen des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft stellt sich auch die Frage nach der Vorbereitung dieses Termins im Hinblick auf die Gebäudereinigung und deren Ausrichtung der Hygienemaßnahmen auf die besonderen pandemiebedingten Anforderungen. Mit dieser Unterlage möchten wir von Seiten der Experten des Gebäudereiniger-Handwerks eine Handlungsempfehlung für die Vorbereitung und ein fachgerechtes Konzept der Reinigung nach einer Wiedereröffnung geben und die speziellen Anforderungen an die Reinigung in Pandemiezeiten am Beispiel von gewerblichen Einrichtungen erläutern. Die Beschäftigten in der Gebäudereinigung stehen mit an vorderster Front beim Kampf gegen die Corona-Pandemie. Der, zuvor oft unterschätzte, hohe Stellenwert von Sauberkeit und Hygiene wurde selten so deutlich wie in der aktuellen Krisensituation. Das Ziel von Flächenhygienemaßnahmen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie ist die Reduktion des Übertragungsrisikos des Coronavirus. Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen dienen überwiegend dem Zweck, Tröpfchenkontamination von Ober ächen zu beseitigen, so dass an- schließend von der behandelten Oberfläche keine Infektionsgefährdung mehr ausgehen kann. Ein hygienisch gepflegtes Umfeld bei der Arbeit, beim Einkauf oder bei der Nutzung von öffentlichen Einrichtungen trägt zur Erfüllung des Kernbedürfnisses nach Sicherheit bei.

Maßnahmen vor Wiedereröffnung
Sofern noch nicht geschehen, sollte nach dem temporären Leerstand von Gebäuden oder Gebäudeteilen deren gründliche Reinigung unmittelbar vor Wiederöffnung vorgesehen werden. Insbesondere gilt dies, wenn in der Zeit der Schließung keinerlei Reinigung stattgefunden hat oder wenn erst im Anschluss an diese Reinigung eine neue Aufstellung und Anordnung des Mobiliars zur Einhaltung der Abstandsregeln stattgefunden hat oder auch dann, wenn zum Beispiel die Zeit der Schließung genutzt wurde, um Renovierungsarbeiten durchzuführen. Im Rahmen dieser vorbereitenden Reinigung werden ebenfalls die Füllzustände von Spendern für Seife, Handtücher und – sofern vorhanden - Handdesinfektionsmittel überprüft und gegebenenfalls aufgefüllt.

Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen
Die Durchführung von Flächenreinigungs- und -desinfektionsmaßnahmen ist abhängig vom Infektionsübertragungsrisiko der Ober ächen im jeweiligen Objektbereich. Das Ausmaß der durchzuführenden Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen wird dabei bestimmt durch die Wahrscheinlichkeit des direkten Kontaktes und die mögliche Kontamination der Oberflächen mit SARS-CoV-2 sowie durch das individuelle Gefährdungspotenzial der Nutzer bestimmt - von dem körpereigenen Abwehrsystem. In gewerblichen Einrichtungen, öffentlichen Einrichtungen etc. ist somit eine fach- und sachgerechte Reinigung der Flächen mit wirksamen Reinigungsprodukten unter Beachtung der „Guten Hygienepraxis“ vorzusehen.

Erhöhung der Reinigungsintervalle
Eine häufigere Reinigung kommt dabei insbesondere für solche Bereiche in Frage, an denen sich viele Personen aufhalten (zum Beispiel Eingangsbereiche, Sanitärräume, Großraumbüros, Kantinenbereiche) und für die Kontaktflächen, die von vielen Personen wechselnd benutzt werden. Daher sind Flächenhygienemaßnahmen, insbesondere die häu gere Reinigung der sogenannten High-Touch-Flächen (häufig berührte Handkontaktflächen) für die Vermeidung von Erregerübertragungen von unbelebten Oberflächen von Bedeutung. Welche dies sind, hängt von der Art des Objekts und der dortigen konkreten Infrastruktur ab. In geschäftlichen Gebäuden sind diese Handkontaktflächen beziehungsweise High-Touch-Flächen beispielsweise Türklinken, Handläufe/Treppengeländer, Licht- und andere Schalter (zum Beispiel für Jalousien), Bedienelemente für Heizung und Klima, Fenstergriffe, Griffbereiche von Schränken, Anforderungs- und Bedientasten sowie Griffe an/in Aufzügen, Kühlschrank- und Schranktürgriffe in Teeküchen und speziell im Sanitärbereich WC-Deckel und -Sitz, Wasserhähne/Armaturen, Türklinken und -schließer der WC-Kabinen, Spültasten, Bedienelemente von Handtuch- und Seifenspendern, Haltegriffe etc.. Für diese viel berührten Handkontaktflächen wird eine mindestens tägliche Reinigung empfohlen. Eine weitere Erhöhung des Reinigungsrhythmus insbesondere der Handkontakt ächen ist zum Beispiel anzuraten in Fällen, wo Abstandsregeln und die Einhaltung der Hygieneregeln nicht einwandfrei gewährleistet werden können, oder im Fall von Schichtbetrieb, um auf diese Weise zum Beispiel eine Unterbrechung der Infektionsketten zwischen Arbeitsteams zu erreichen. Bei der Festlegung des Mindeststandards für andere Flächen als Handkontaktflächen ist neben der Gewährleistung einer optischen und hygienischen Sauberkeit auch Folgendes zu berücksichtigen: Vor dem Hintergrund der psychologischen Wirkung einer optisch sauberen Umgebung in dieser Krisenzeit mit starker Verunsicherung der Beschäftigten, Besucher und Kunden lautet unsere klare Empfehlung, die Häu gkeit der Reinigung auf nutzungstäglich zu erhöhen und gegebenenfalls auch mit Tageskräften eine kontinuierliche Reinhaltung von Hotspots zu gewährleisten. Ein hygienisch sauberes Arbeitsumfeld trägt auch unter psychologischen Aspekten in dieser Zeit großer Verunsicherung zu einer Beruhigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Neben den infektionspräventiven Aspekten sorgt ein sauberes Arbeitsumfeld auch für eine Reduzierung möglicher psychischer Belastungen der Beschäftigten durch die Corona-Pandemie. Dies soll laut aktuellem SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung für Beschäftigte aller Wirtschaftszweige berücksichtigt werden. Wird eine Desinfektion als notwendig erachtet, so sollte diese generell als Wischdesinfektion durchgeführt werden. Eine Sprühdesinfektion, das heißt die Benetzung der Oberfläche ohne mechanische Einwirkung, erreicht nur eine unzuverlässige Wirkung, da eine vollständige Benetzung der Ober äche nicht erzielt werden kann. Da Covid-19 beziehungsweise SARS-CoV-2 eine meldepflichtige Krankheit nach § 6 des Infektionsschutzgesetzes beziehungsweise ein meldepflichtiger Krankheitserreger nach § 7 IfSG ist, obliegt es nach § 17 IfSG der zuständigen Behörde, die notwendigen Maßnahmen zur Abwendung der hierdurch drohenden Gefahren zu treffen. Falls es zur Verhinderung und Eindämmung von Ausbrüchen erforderlich ist, können notwendige Desinfektionsmaßnahmen behördlich angeordnet werden.

Reinigungs- und Desinfektionsmittelauswahl
Als behüllte Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht (Lipidschicht) umhüllt ist, reagieren Coronaviren generell empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Tenside oder Alkohole, so können in nicht-medizinisch/ pflegerischen Bereichen zur Durchführung von Reinigungsmaßnahmen fettlösende Reinigungsmittel eingesetzt werden. Zur Durchführung von Desinfektionsmaßnahmen sind Flächendesinfektionsmittel mit nachgewiesener Wirksamkeit mit dem Wirkungsbereich begrenzt viruzid (wirksam gegen behüllte Viren) anzuwenden. Mittel mit erweitertem Wirkbereich gegen Viren wie begrenzt viruzid PLUS oder viruzid können ebenfalls verwendet werden.

Sonstiges
Soll eine desinfizierende Reinigung durchgeführt werden, so ist zubeachten, dass aufgrund der stark eingeschränkten Verfügbarkeit die Preise für Desinfektionsreiniger stark angestiegen sind. Je nach Art des Verfahrens sind ergänzende Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich, die teilweise auch tarifvertragliche Zuschläge bei der Entlohnung der Beschäftigten bedingen. Auch führen die stark gestiegenen Preise für Schutzausrüstungen zu einem erhöhten Kalkulationsansatz. Dies gilt auch für die persönliche Schutzausrüstung der Reinigungskräfte. Wie im Maßnahmenpaket zur Wiedereröffnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vorgesehen, wurde vom Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks gemeinsam mit der BG BAU ein branchenspezi sches Konzept zu den notwendigen Arbeitsschutzmaßnahmen für Beschäftigte in der Gebäudereinigung erarbeitet. Hinsichtlich der Ausrüstung mit persönlicher Schutzausrüstung der Reinigungskräfte oder auch für die Beschaffung von Desinfektionsmitteln kann es hilfreich sein, die Produkte über Kontingente der Auftraggeber zu beschaffen, wenn diese zum Beispiel aufgrund ihrer Bedeutung in der Daseinsvorsorge Priorität bei der Belieferung haben.

 

 

 

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